Mit Gartenarbeit Geld verdienen: Der saisonale Nebenjob mit Potenzial

Lesezeit: 12 Minuten Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026

Stefan hatte einen Bürojob, der ihn innerlich auffraß. Nicht wegen der Kollegen oder des Gehalts, sondern weil er acht Stunden am Tag unter Kunstlicht saß und auf einen Bildschirm starrte. Als sein Nachbar fragte, ob er am Wochenende beim Heckenschneiden helfen könnte – gegen Bezahlung natürlich – sagte er spontan zu. Drei Stunden später stand er verschwitzt im Garten, die Arme schmerzten, und er fühlte sich besser als seit Monaten. Das war vor zwei Jahren. Heute hat Stefan neun regelmäßige Kunden und verdient in der Saison zwischen 600 und 900 Euro monatlich – nebenher, am Wochenende und an freien Nachmittagen.

Die Gartenarbeit ist ein Nebenjob, der oft übersehen wird. Dabei bietet er etwas, das vielen anderen Nebentätigkeiten fehlt: körperliche Arbeit an der frischen Luft, sichtbare Ergebnisse und eine Nachfrage, die jedes Jahr aufs Neue explodiert, sobald die ersten Sonnenstrahlen den Frühling ankündigen.

In diesem Artikel erfährst du, welche Tätigkeiten gefragt sind, was du verdienen kannst, wann die beste Zeit zum Starten ist und wie du rechtlich auf der sicheren Seite bleibst.

Warum Gartenarbeit ein unterschätzter Nebenverdienst ist

Die demografische Lücke

Österreich hat etwa 1,5 Millionen Gärten. Viele davon gehören Menschen, die ihren Garten lieben, aber nicht mehr die Kraft oder die Zeit haben, ihn selbst zu pflegen. Die Generation, die nach dem Krieg Häuser mit großen Grundstücken gebaut hat, wird älter. Ihre Kinder wohnen oft weit weg oder haben selbst volle Terminkalender. Was bleibt, ist ein Garten, der Arbeit macht – und jemand, der bereit ist, diese Arbeit zu übernehmen.

Gleichzeitig besitzen viele jüngere Hausbesitzer zwar ein Grundstück, haben aber weder die Zeit noch das Interesse, sich um Rasen, Hecken und Beete zu kümmern. Für sie ist ein Gartenhelfer keine Luxusausgabe, sondern eine praktische Lösung.

Der Unterschied zum professionellen Gärtner

Ein ausgebildeter Landschaftsgärtner plant und baut ganze Gartenanlagen. Er verlegt Pflaster, baut Teiche, fällt Bäume. Das erfordert eine dreijährige Lehre und entsprechende Qualifikationen.

Ein Gartenhelfer – und genau das kannst du sein – übernimmt die regelmäßigen Pflegearbeiten: Rasen mähen, Hecken schneiden, Unkraut jäten, Laub zusammenrechen. Dafür brauchst du keine Ausbildung, nur zwei gesunde Hände und die Bereitschaft, körperlich zu arbeiten.

Der Vorteil für deine Kunden: Ein Gartenhelfer ist deutlich günstiger als eine Gartenbaufirma. Der Vorteil für dich: Du kannst sofort starten, ohne vorher Jahre in eine Ausbildung zu investieren.

Welche Arbeiten wirklich gefragt sind

Rasenpflege: Das Brot-und-Butter-Geschäft

Nichts ist so konstant wie die Nachfrage nach Rasenmähen. Von April bis Oktober wächst Gras, und jede Woche muss jemand den Mäher anwerfen. Für viele Gartenbesitzer ist genau das die Arbeit, die sie am liebsten abgeben würden – repetitiv, zeitaufwändig, nicht besonders erfüllend.

Zum Rasenmähen gehört oft auch das Trimmen der Ränder, das Entfernen von Moos und gelegentlich das Vertikutieren im Frühjahr. Wer einen Kunden für regelmäßiges Rasenmähen gewinnt, hat damit oft eine verlässliche Einnahmequelle für die gesamte Saison.

Die Bezahlung richtet sich nach der Fläche. Für einen durchschnittlichen Hausgarten von 200 bis 400 Quadratmetern sind 15 bis 25 Euro pro Einsatz üblich. Bei wöchentlichen Besuchen über sechs Monate kommt da einiges zusammen.

Heckenschnitt: Saisonal, aber lukrativ

Hecken müssen zwei- bis dreimal im Jahr geschnitten werden – im Frühjahr, Sommer und manchmal noch einmal im Herbst. Das ist keine wöchentliche Arbeit, aber wenn sie anfällt, ist sie zeitintensiv. Eine mittelgroße Thujenhecke kann schnell zwei bis drei Stunden Arbeit bedeuten.

Die Stundensätze für Heckenschnitt liegen etwas höher als fürs Rasenmähen, typischerweise bei 15 bis 22 Euro. Wer mit der elektrischen Heckenschere umgehen kann und keine Höhenangst hat, findet hier gut bezahlte Arbeit.

Unkraut jäten und Beetpflege

Es gibt Menschen, die gerne Blumen pflanzen, aber das Unkrautjäten hassen. Für sie bist du die Rettung. Beetpflege ist körperlich anstrengend – stundenlanges Knien und Bücken – aber die Nachfrage ist groß.

Die Bezahlung liegt meist bei 12 bis 18 Euro pro Stunde. Manche Kunden buchen dich regelmäßig alle zwei Wochen, andere nur bei Bedarf.

Herbstarbeiten: Laub und Wintervorbereitung

Der Herbst bringt seine eigene Arbeitswelle. Laub zusammenrechen und entsorgen, Beete winterfest machen, empfindliche Pflanzen schützen, Gartenmöbel einlagern. Diese Arbeiten fallen in wenigen Wochen an und erzeugen hohe Nachfrage in kurzer Zeit.

Wer sich für den Herbst gut positioniert, kann in sechs bis acht Wochen einen erheblichen Teil seines Jahresverdienstes erwirtschaften.

Was du lieber nicht anbieten solltest

Manche Arbeiten solltest du als Gartenhelfer nicht übernehmen – nicht weil du es nicht könntest, sondern weil sie rechtlich problematisch sind oder spezielle Qualifikationen erfordern.

Baumfällungen gehören in professionelle Hände. Die Haftungsrisiken sind enorm, und in vielen Gemeinden brauchst du eine Genehmigung. Auch größere Erdarbeiten, das Verlegen von Pflaster oder der Bau von Teichanlagen fallen unter die Tätigkeiten, die Landschaftsgärtnern vorbehalten sind.

Als Faustregel gilt: Alles, was ein durchschnittlicher Gartenbesitzer selbst machen würde, kannst auch du anbieten. Alles, wofür ein Profi gerufen werden müsste, solltest du an Profis verweisen.

Was du realistisch verdienen kannst

Stundensätze nach Tätigkeit

Die Bezahlung für Gartenarbeit variiert je nach Region, Tätigkeit und deiner Erfahrung. Hier ein Überblick:

TätigkeitStundensatz
Rasenmähen12–18 €
Heckenschnitt15–22 €
Unkraut jäten12–18 €
Laub zusammenrechen12–15 €
Schwere körperliche Arbeit18–25 €

In Wien und den westlichen Bundesländern liegen die Preise am oberen Ende dieser Spannen, in ländlichen Regionen Ostösterreichs eher am unteren.

Monatsverdienst in der Saison

Wie viel am Ende des Monats übrig bleibt, hängt davon ab, wie viele Stunden du arbeitest und wie viele regelmäßige Kunden du hast.

Ein realistisches Szenario: Du hast fünf regelmäßige Kunden, die du jeweils einmal pro Woche besuchst. Pro Kunde arbeitest du durchschnittlich eineinhalb Stunden. Das sind siebeneinhalb Stunden pro Woche. Bei einem Stundensatz von 15 Euro kommst du auf etwa 450 Euro im Monat.

Wer mehr Zeit investiert – etwa 15 Stunden pro Woche – und sich gut positioniert, kann in der Hauptsaison durchaus 700 bis 900 Euro monatlich verdienen.

Die Saisonalität ehrlich betrachten

Gartenarbeit ist kein ganzjähriger Nebenjob. Die Hauptsaison läuft von April bis Oktober, mit Spitzen im Frühjahr (alles muss nach dem Winter wieder in Ordnung gebracht werden) und im Herbst (Laub, Wintervorbereitung). Von November bis März gibt es wenig zu tun – höchstens Schneeräumen, falls du das zusätzlich anbietest.

Das bedeutet: Die Einnahmen konzentrieren sich auf sieben Monate. In dieser Zeit kannst du gut verdienen, aber du solltest nicht mit einem konstanten Monatseinkommen übers ganze Jahr rechnen.

Der rechtliche Rahmen in Österreich

Wann brauchst du kein Gewerbe?

Einfache Gartenarbeiten fallen in Österreich unter die „Tätigkeiten einfachster Art“. Das bedeutet: Wenn du gelegentlich für Privatpersonen Rasen mähst, Unkraut jätest oder Laub zusammenrechst, brauchst du dafür nicht zwingend ein Gewerbe – solange du es persönlich ausführst, keine Angestellten hast und es sich um eine untergeordnete Nebentätigkeit handelt.

Für die Bezahlung gibt es den Dienstleistungsscheck (DLS), ein System, das genau für solche Tätigkeiten geschaffen wurde. Dein Auftraggeber kauft die Schecks, bezahlt dich damit, und du bist automatisch unfallversichert. Die monatliche Obergrenze liegt 2026 bei 755,01 Euro pro Auftraggeber.

Wann brauchst du ein Gewerbe?

Sobald du regelmäßig und mit erkennbarer Gewinnabsicht arbeitest – also mehr als nur gelegentlich und für mehr als nur ein paar Nachbarn – solltest du ein Gewerbe anmelden. Das ist in Österreich unkomplizierter, als es klingt.

„Durchführung einfacher Gartenarbeiten (Rasen mähen, Bewässern der Grünflächen, Jäten, Mulchen)“ ist ein freies Gewerbe. Das bedeutet: Du brauchst keinen Befähigungsnachweis, keine Ausbildung, keine Prüfung. Die Anmeldung ist kostenlos und online in wenigen Minuten erledigt.

Mit der Gewerbeanmeldung bist du automatisch bei der Sozialversicherung der Selbstständigen (SVS) angemeldet. Bei geringen Einkünften – unter 6.613,20 Euro Jahresgewinn – kannst du dich von der Pflichtversicherung befreien lassen.

Was du nicht darfst

Als Inhaber des freien Gewerbes für einfache Gartenarbeiten darfst du nicht alles anbieten. Baumfällungen, Pflasterarbeiten, der Bau von Gartenmauern oder Teichen – das sind Tätigkeiten, die dem reglementierten Gewerbe der Garten- und Landschaftsgestaltung vorbehalten sind. Dafür bräuchtest du eine Lehrabschluss oder einen anderen Befähigungsnachweis.

Halte dich an die einfachen Pflegearbeiten, und du bist auf der sicheren Seite.

So findest du deine ersten Kunden

Der Nachbarschaftseffekt

Die meisten erfolgreichen Gartenhelfer haben mit ihrer unmittelbaren Umgebung begonnen. Ein Aushang am schwarzen Brett im Supermarkt, ein Post in der lokalen Facebook-Gruppe, ein Gespräch mit dem älteren Ehepaar drei Häuser weiter – so entstehen die ersten Aufträge.

Der Vorteil: In der Nachbarschaft verbreiten sich Empfehlungen schnell. Wenn du bei Familie Huber einen guten Job machst, erzählen sie es Familie Gruber. Mundpropaganda ist in diesem Geschäft der wichtigste Kanal.

Lokale Plattformen nutzen

Digitale Vermittlung macht es heute einfacher, Auftraggeber zu finden. Auf Lokali posten Menschen direkt, wenn sie Hilfe im Garten brauchen. Du siehst, welche Aufgaben in deiner Nähe warten, und kannst dich auf die bewerben, die zu dir passen – ohne Vermittlungsgebühren und mit direktem Kontakt.

Der Vorteil gegenüber anonymen Jobportalen: Die Auftraggeber wohnen wirklich in deiner Nähe. Kurze Anfahrtswege bedeuten mehr Zeit für bezahlte Arbeit und weniger Zeit im Auto.

Regelmäßige Kunden aufbauen

Einmalige Aufträge sind gut zum Starten, aber der wahre Wert liegt in wiederkehrenden Kunden. Jemand, der dich von April bis Oktober jede Woche zum Rasenmähen bucht, ist mehr wert als zehn Einzelaufträge.

Um solche Kunden zu gewinnen, musst du Zuverlässigkeit beweisen. Erscheine pünktlich, arbeite sorgfältig, räume hinter dir auf. Biete aktiv an, regelmäßig zu kommen. Die meisten Menschen schätzen es, wenn sie sich um ihren Garten nicht mehr kümmern müssen – und zahlen gerne dafür.

Ausrüstung: Was du brauchst, was du nicht brauchst

Das Minimum zum Starten

In den meisten Fällen stellen deine Auftraggeber die Geräte. Die wenigsten Gartenbesitzer erwarten, dass du mit eigenem Rasenmäher anrückst – sie haben ja selbst einen, der ungenutzt in der Garage steht.

Was du mitbringen solltest: Arbeitshandschuhe, festes Schuhwerk, wetterangepasste Kleidung. Das ist keine große Investition.

Wann sich eigene Geräte lohnen

Mit wachsendem Kundenstamm kann es sinnvoll sein, eigene Geräte anzuschaffen. Ein ordentlicher Akku-Rasentrimmer kostet etwa 150 bis 300 Euro und macht dich unabhängig davon, was deine Kunden im Schuppen haben. Eine gute elektrische Heckenschere liegt bei 80 bis 200 Euro.

Der Vorteil eigener Geräte: Du kennst sie, du weißt, wie sie funktionieren, du bist nicht auf schlecht gewartetes Werkzeug angewiesen. Außerdem kannst du die Anschaffungskosten steuerlich geltend machen.

Aber überstürze nichts. Fang mit dem an, was du hast, und investiere erst, wenn du weißt, dass das Geschäft läuft.

Wann du starten solltest

Der beste Zeitpunkt im Jahr

Die Nachfrage nach Gartenhelfern steigt Mitte März sprunghaft an und bleibt bis Ende Oktober hoch. Der ideale Zeitpunkt zum Starten ist deshalb Februar oder März – dann kannst du dich positionieren, bevor die Saison richtig losgeht.

Wer erst im Mai anfängt, hat oft das Nachsehen. Viele Kunden haben dann schon jemanden gefunden, der regelmäßig kommt. Wer früh dran ist, sichert sich die guten Aufträge.

Nebensaison sinnvoll nutzen

Die Wintermonate sind nicht verloren. Du kannst sie nutzen, um dich vorzubereiten: Flyer drucken, ein Profil auf lokalen Plattformen anlegen, Visitenkarten an schwarze Bretter heften. Wenn der Frühling kommt, bist du sichtbar.

Manche Gartenhelfer bieten im Winter zusätzlich Schneeräumen an. Das passt thematisch, ist körperlich ähnlich anspruchsvoll und hält den Kontakt zu deinen Stammkunden aufrecht.

Für wen Gartenarbeit als Nebenjob passt

Gartenarbeit ist körperliche Arbeit. Das muss man mögen – oder zumindest tolerieren. Wer einen Bürojob hat und den Ausgleich sucht, findet hier oft genau das Richtige. Wer schon den ganzen Tag körperlich arbeitet, für den ist es vielleicht eher Belastung als Erholung.

Gut geeignet ist Gartenarbeit für Menschen mit flexibler Zeiteinteilung: Studierende, Teilzeitbeschäftigte, Pensionisten, Eltern mit schulpflichtigen Kindern. Du bestimmst selbst, wann du arbeitest – aber du musst eben arbeiten, wenn das Gras wächst, nicht wenn es in deinen Kalender passt.

Was du mitbringen solltest: eine gewisse körperliche Fitness, Zuverlässigkeit und keine Scheu vor Schmutz und Schweiß. Gartenarbeit ist keine Bürotätigkeit mit grüner Kulisse – es ist ehrliche körperliche Arbeit.

Fazit: Ein Nebenjob mit Eigenheiten

Gartenarbeit als Nebenjob bietet, was viele andere Nebentätigkeiten nicht können: Arbeit an der frischen Luft, sichtbare Ergebnisse und eine Tätigkeit, die körperlich fordert statt geistig ermüdet. Die Verdienstmöglichkeiten sind solide, die rechtlichen Hürden niedrig, und die Nachfrage ist zuverlässig – zumindest von April bis Oktober.

Der Haken: Es ist saisonale Arbeit. Wer ein konstantes Einkommen übers ganze Jahr braucht, muss sich für die Wintermonate etwas anderes überlegen. Aber wer diese Eigenheit akzeptiert, findet in der Gartenarbeit einen Nebenverdienst, der nicht nur Geld bringt, sondern auch guttun kann.

Stefan, von dem ich am Anfang erzählt habe, sagt heute, dass die Samstage im Garten seiner Kunden das Beste an seiner Woche sind. Er verdient dabei Geld, bewegt sich, sieht am Ende des Tages, was er geschafft hat. Und wenn er Montagmorgen wieder ins Büro geht, hat er etwas, das ihn durch die Woche trägt.

Auf Lokali findest du Gartenaufträge in deiner Nähe – ohne Vermittlungsgebühren, direkt von deinen Nachbarn.