Viele ältere Menschen brauchen Unterstützung im Alltag, aber noch keine umfassende Pflege. Genau in dieser Lücke – zwischen völliger Selbstständigkeit und professioneller Betreuung – finden sich zahlreiche Möglichkeiten, die das Leben erleichtern. Dieser Guide zeigt dir, welche Unterstützung für Senioren in Österreich es gibt: von stundenweiser Alltagshilfe über Haushaltshilfen bis hin zur 24-Stunden-Betreuung.
Der Übergang: Wenn Alltägliches schwieriger wird
Es beginnt oft schleichend: Das Treppensteigen fällt schwerer, der Wocheneinkauf wird zur Herausforderung, der Garten verwildert. Viele Senioren und ihre Angehörigen stehen dann vor der Frage: Welche Unterstützung brauchen wir – und wo finden wir sie?
Die gute Nachricht: Zwischen „alles selbst machen“ und „ins Pflegeheim ziehen“ gibt es viele Zwischenstufen. Die richtige Unterstützung für Senioren kann dazu beitragen, dass ältere Menschen länger selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben – ohne dass die Angehörigen sich dabei übernehmen.
Was viele Senioren brauchen – und was nicht
Oft geht es nicht um medizinische Pflege, sondern um praktische Hilfe im Alltag:
- Einkaufen und schwere Sachen tragen
- Putzen und Aufräumen
- Garten- und Balkonpflege
- Begleitung zu Arztterminen
- Gesellschaft und Gespräche
- Kleine Reparaturen im Haushalt
Diese Aufgaben kann ein Familienmitglied übernehmen – oder jemand anderes, der dafür Zeit hat und fair bezahlt wird.
Welche Arten von Unterstützung gibt es?
Je nach Bedarf gibt es unterschiedliche Formen der Unterstützung für Senioren. Die wichtigsten im Überblick:
1. Stundenweise Alltagshilfe
Für Senioren, die größtenteils selbstständig sind, aber bei einzelnen Aufgaben Hilfe brauchen.
Typische Aufgaben:
- Wocheneinkauf erledigen
- Begleitung zu Terminen
- Spaziergang machen
- Gesellschaft leisten
- Kleine Besorgungen
Wer macht das?
- Nachbarn, Freunde, Familie
- Private Helfer:innen über Plattformen wie Lokali
- Ehrenamtliche von gemeinnützigen Organisationen
Kosten: Private Helfer:innen: ca. 12–20 € pro Stunde. Bei ehrenamtlichen Angeboten oft kostenlos oder gegen eine kleine Aufwandsentschädigung.
2. Haushaltshilfe
Für Senioren, die Unterstützung bei der regelmäßigen Haushaltsführung brauchen.
Typische Aufgaben:
- Putzen und Staubsaugen
- Wäsche waschen und bügeln
- Kochen und Mahlzeiten vorbereiten
- Betten machen
- Geschirrspülen
Wichtig: Haushaltshilfen übernehmen keine pflegerischen Aufgaben wie Körperpflege, Medikamentengabe oder Hilfe beim Anziehen. Dafür braucht es eine Pflegekraft.
Kosten:
- Private Haushaltshilfen: ca. 13–18 € pro Stunde
- Über Pflegedienste: ca. 25–35 € pro Stunde (je nach Anbieter)
Mehr dazu in unserem Artikel: Haushaltshilfe finden in Österreich
3. Mobile Pflege- und Betreuungsdienste
Für Senioren mit anerkanntem Pflegegeld, die regelmäßige Unterstützung bei der Pflege brauchen.
Typische Leistungen:
- Hilfe bei der Körperpflege
- Unterstützung beim An- und Ausziehen
- Medikamentengabe nach ärztlicher Anordnung
- Wundversorgung
- Beratung für Angehörige
Wer bietet das an? Caritas, Volkshilfe, Hilfswerk, Rotes Kreuz und private Pflegedienste.
Kosten: Die Kosten werden teilweise vom Pflegegeld gedeckt. Mobile Dienste rechnen meist nach Einsatzzeit ab. Erkundige dich bei den Anbietern in deiner Region.
4. 24-Stunden-Betreuung
Für Senioren, die rund um die Uhr Unterstützung brauchen, aber nicht ins Heim möchten.
So funktioniert es: Eine Betreuungsperson lebt im Haushalt der/des Senior:in und unterstützt bei alltäglichen Aufgaben. Meist wechseln sich zwei Betreuungskräfte im 14-Tage-Rhythmus ab.
Kosten (Richtwerte 2026):
- Tägliches Honorar: 70–100 € pro Tag
- Monatlich: ca. 2.000–3.000 € (je nach Pflegestufe und Anbieter)
- Dazu kommen: Fahrtkosten, Unterkunft, Verpflegung
Förderung: Ab Pflegestufe 3 und bei Nettoeinkommen unter 2.500 € monatlich gibt es eine staatliche Förderung für die 24-Stunden-Betreuung. Diese beträgt bis zu 800 € monatlich bei selbstständigen Betreuungskräften.
Pflegegeld in Österreich: Die Grundlage
Das Pflegegeld ist die wichtigste finanzielle Unterstützung für pflegebedürftige Menschen in Österreich. Es soll helfen, die Kosten für Betreuung und Pflege zu decken.
Die 7 Pflegestufen (Stand 2026)
| Pflegestufe | Pflegebedarf pro Monat | Pflegegeld monatlich |
|---|---|---|
| Stufe 1 | mehr als 65 Stunden | 206,20 € |
| Stufe 2 | mehr als 95 Stunden | 380,30 € |
| Stufe 3 | mehr als 120 Stunden | 592,60 € |
| Stufe 4 | mehr als 160 Stunden | 888,50 € |
| Stufe 5 | mehr als 180 Stunden* | 1.206,90 € |
| Stufe 6 | mehr als 180 Stunden** | 1.688,90 € |
| Stufe 7 | mehr als 180 Stunden*** | 2.214,90 € |
*außergewöhnlicher Pflegeaufwand erforderlich | **zeitlich unkoordinierbare Betreuung | ***keine zielgerichteten Bewegungen mehr möglich
Wer hat Anspruch?
- Ständiger Bedarf an Betreuung und Pflege
- Pflegebedarf von mehr als 65 Stunden pro Monat
- Der Zustand dauert voraussichtlich mindestens 6 Monate
Wie beantragen?
Der Antrag wird bei der Pensionsversicherung gestellt. Ein:e Ärzt:in oder Pflegefachkraft kommt dann zur Begutachtung nach Hause.
Tipp: Das Pflegegeld kann frei verwendet werden – auch für private Haushaltshilfen oder Alltagsbegleiter:innen.
Private Unterstützung: Flexibel und persönlich
Nicht jede Unterstützung muss über offizielle Pflegedienste laufen. Gerade für stundenweise Hilfe im Alltag sind private Helfer:innen oft die praktischere und günstigere Lösung.
Vorteile privater Unterstützung
- Flexibel: Hilfe genau dann, wenn sie gebraucht wird
- Persönlich: Die gleiche Person kommt regelmäßig, es entsteht Vertrauen
- Günstiger: Keine Vermittlungsgebühren oder Organisationskosten großer Träger
- Nahbar: Helfer:innen aus der Nachbarschaft kennen die Gegend
Was private Helfer:innen übernehmen können
- Einkaufen und Besorgungen
- Begleitung zu Terminen
- Haushaltshilfe
- Gartenpflege
- Gesellschaft leisten
- Vorlesen, Spazierengehen, Kartenspielen
Was sie nicht übernehmen sollten
- Medizinische Pflege
- Medikamentengabe (nur mit ärztlicher Delegation)
- Körperpflege (nur mit entsprechender Ausbildung)
So findest du passende Unterstützung
Auf Lokali findest du Menschen aus deiner Nachbarschaft, die Unterstützung für Senioren anbieten. Der Vorteil: kurze Wege, persönlicher Kontakt und faire Bezahlung ohne Zwischenhändler.
Tipps für Angehörige
Wenn deine Eltern oder Großeltern Unterstützung brauchen, bist du oft die erste Anlaufstelle. Diese Tipps helfen dir, die richtige Balance zu finden.
1. Früh das Gespräch suchen
Warte nicht, bis eine Krise eintritt. Sprich offen über mögliche Unterstützung – am besten bevor sie dringend nötig wird.
2. Selbstständigkeit respektieren
Viele Senioren möchten so viel wie möglich selbst machen. Unterstützung sollte dort ansetzen, wo sie wirklich gebraucht wird – und nicht das Gefühl vermitteln, nicht mehr gebraucht zu werden.
3. Nicht alles selbst machen
Pflegende Angehörige übernehmen oft zu viel und brennen aus. Es ist keine Schande, Hilfe zu holen – im Gegenteil: Es ist verantwortungsvoll.
4. Verschiedene Optionen kombinieren
Die beste Lösung ist oft eine Kombination: Du übernimmst, was dir liegt und zeitlich möglich ist, für den Rest gibt es externe Hilfe.
5. Auf dich selbst achten
Deine eigene Gesundheit und dein eigenes Leben dürfen nicht komplett hinten anstehen. Nimm dir Auszeiten und Unterstützung.
Häufige Fragen zur Unterstützung für Senioren
Wie finde ich heraus, welche Unterstützung meine Eltern brauchen?
Beobachte, wo es im Alltag hakt: Stapelt sich schmutziges Geschirr? Ist der Kühlschrank leer? Werden Arzttermine vergessen? Ein offenes Gespräch hilft oft, den Bedarf gemeinsam einzuschätzen.
Kann ich Pflegegeld auch für private Helfer:innen verwenden?
Ja. Das Pflegegeld ist zweckungebunden und kann frei verwendet werden – auch für private Haushaltshilfen, Alltagsbegleiter:innen oder Nachbarschaftshilfe.
Was ist der Unterschied zwischen Betreuung und Pflege?
Betreuung umfasst Alltagshilfe wie Einkaufen, Kochen, Gesellschaft leisten. Pflege bezieht sich auf körperbezogene Tätigkeiten wie Körperpflege, Medikamentengabe oder medizinische Versorgung.
Ab wann macht eine 24-Stunden-Betreuung Sinn?
Wenn stundenweise Unterstützung nicht mehr ausreicht und die Person auch nachts oder bei unvorhergesehenen Situationen Hilfe braucht. Oft ist sie auch sinnvoll, wenn Angehörige berufstätig sind und nicht regelmäßig vor Ort sein können.
Wer kontrolliert, ob private Helfer:innen gut arbeiten?
Bei privaten Arrangements bist du selbst verantwortlich. Regelmäßige Gespräche und gelegentliche Besuche helfen, die Qualität sicherzustellen. Bei größeren Trägern gibt es oft Qualitätszertifikate.
Fazit: Unterstützung für Senioren schrittweise aufbauen
Die richtige Unterstützung für Senioren zu finden ist ein Prozess. Er beginnt oft mit kleinen Hilfen im Alltag und entwickelt sich weiter, wenn der Bedarf steigt. Wichtig ist, frühzeitig anzufangen und verschiedene Optionen zu kennen.
Nicht jede:r braucht sofort professionelle Pflege. Oft reicht es, wenn jemand regelmäßig beim Einkaufen hilft, den Garten in Schuss hält oder einfach mal auf einen Kaffee vorbeikommt. Diese scheinbar kleinen Dinge können viel dazu beitragen, dass ältere Menschen länger selbstständig und zufrieden leben.
Unterstützung in deiner Nähe gesucht? Auf Lokali findest du Menschen aus deiner Nachbarschaft, die Alltagshilfe, Haushaltshilfe oder Begleitung für Senioren anbieten – flexibel, persönlich und zu fairen Konditionen.
Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026