Mit Nachbarschaftshilfe Geld verdienen: ab wann Gewerbe?
Nachbarschaftshilfe ist kein Rechtsbegriff. In keinem österreichischen Gesetz steht, ab welcher Stunde oder ab welchem Betrag aus einer Gefälligkeit eine Erwerbstätigkeit wird. Genau diese Grenze entscheidet aber darüber, ob das Rasenmähen beim Nachbarn ein Körberlgeld bleibt oder ob dahinter eine Gewerbeberechtigung, ein Beitragskonto bei der Sozialversicherung und eine Steuererklärung stehen.
Was es stattdessen gibt, sind drei getrennte Regelwerke: das Gewerberecht, die Sozialversicherung und das Steuerrecht. Jedes hat eine eigene Schwelle, und die drei liegen nicht am selben Punkt. Man kann gewerberechtlich längst gewerbsmäßig tätig sein und sozialversicherungsrechtlich noch unter der Grenze liegen.
Dieser Text sortiert die drei Schwellen und zitiert dort, wo es auf den Wortlaut ankommt. Die Werte sind der Stand 2026 und stammen von SVS, ÖGK und aus dem Rechtsinformationssystem des Bundes.

Drei Systeme, drei verschiedene Schwellen
Die häufigste Fehlannahme lautet, es gebe einen Betrag, unter dem alles erlaubt ist. Den gibt es nicht. Das Gewerberecht fragt nicht nach dem Betrag, sondern nach der Art der Tätigkeit: selbstständig, regelmäßig, mit Ertragsabsicht. Die Sozialversicherung fragt zuerst, ob du weisungsgebunden für jemanden arbeitest oder auf eigene Rechnung, und knüpft erst danach an Beträge an. Das Steuerrecht hat wieder eigene Grenzen, die von der Art deiner übrigen Einkünfte abhängen. Wer mit den Zahlen beginnt statt mit der Rolle, landet regelmäßig bei der falschen Zahl.
Wann eine Tätigkeit gewerbsmäßig wird: der Wortlaut
Die Gewerbeordnung definiert das in § 1 GewO 1994. Absatz 2 lautet: "Eine Tätigkeit wird gewerbsmäßig ausgeübt, wenn sie selbständig, regelmäßig und in der Absicht betrieben wird, einen Ertrag oder sonstigen wirtschaftlichen Vorteil zu erzielen, gleichgültig für welche Zwecke dieser bestimmt ist."
Drei Wörter tragen die ganze Abgrenzung, und alle drei sind enger, als sie klingen:
- Selbstständig heißt laut Absatz 3, "wenn die Tätigkeit auf eigene Rechnung und Gefahr ausgeübt wird". Wer im Haushalt eines anderen nach dessen Anweisungen arbeitet, ist nicht selbstständig, sondern beschäftigt. Das ist ein anderer Fall, siehe weiter unten.
- Regelmäßig ist nicht in Zahlen definiert. Absatz 4 stellt sogar klar: "Auch eine einmalige Handlung gilt als regelmäßige Tätigkeit, wenn nach den Umständen des Falles auf die Absicht der Wiederholung geschlossen werden kann oder wenn sie längere Zeit erfordert."
- Ertragsabsicht umfasst ausdrücklich auch den "sonstigen wirtschaftlichen Vorteil". Eine Gegenleistung in Naturalien oder ein Tausch von Arbeit gegen Arbeit fällt damit ebenfalls darunter, nicht nur Bargeld.
Der Satz, der Anbieter am häufigsten überrascht, steht ebenfalls in Absatz 4: "Das Anbieten einer den Gegenstand eines Gewerbes bildenden Tätigkeit an einen größeren Kreis von Personen oder bei Ausschreibungen wird der Ausübung des Gewerbes gleichgehalten." Wer eine gewerbliche Leistung öffentlich anbietet, übt sie gewerberechtlich bereits aus, auch ohne ersten Auftrag. Die Bedingung darin ist entscheidend und wird oft überlesen: die Tätigkeit muss überhaupt Gegenstand eines Gewerbes sein.
Genau dort liegt der Ausweg für viele Alltagsarbeiten. Die Gewerbeordnung nimmt Tätigkeiten einfachster Art aus, etwa Laub zusammenrechen oder Umgraben. Welche das sind und wo die Ausnahme endet, steht im Ratgeber Nebenbei Geld verdienen mit belegten Stundensätzen. Wenn dein Vorhaben darüber hinausgeht, führt der Weg über die Bezirksverwaltungsbehörde: der Ablauf steht bei der Wirtschaftskammer und Schritt für Schritt im Ratgeber Gewerbe anmelden in Österreich.
Gefälligkeit oder Beschäftigung: was die Gerichte verlangen
Für die Sozialversicherung gibt es einen eigenen, gefestigten Maßstab. Der Verwaltungsgerichtshof hat ihn im Erkenntnis vom 20. Mai 2014, 2012/08/0257 so formuliert: "Als Freundschafts- oder Gefälligkeitsdienste sind kurzfristige, freiwillige und unentgeltliche Dienste anzusehen, die vom Leistenden auf Grund spezifischer Bindungen zwischen ihm und dem Leistungsempfänger erbracht werden und die einer Prüfung auf ihre sachliche Rechtfertigung stand halten."
Vier Merkmale, die zusammen vorliegen müssen: kurzfristig, freiwillig, unentgeltlich, aus einer persönlichen Bindung heraus. Wer dem Nachbarn einmal beim Tragen hilft und dafür zum Essen eingeladen wird, erfüllt sie. Wer jeden Donnerstag putzt und dafür einen vereinbarten Betrag bekommt, erfüllt das Merkmal der Unentgeltlichkeit nicht mehr, gleichgültig wie freundschaftlich das Verhältnis ist.
Zwei Punkte aus demselben Erkenntnis sind für die Praxis wichtiger als die Definition. Erstens verlangt der Gerichtshof "eine Würdigung aller Umstände des Einzelfalles", es gibt also keine Betragsgrenze, unter der man automatisch auf der sicheren Seite ist. Zweitens trifft die betroffene Person "eine entsprechende Mitwirkungspflicht": im Streitfall muss sie die Umstände darlegen, nicht die Behörde sie widerlegen. Eine nachträglich unterschriebene Unentgeltlichkeitsvereinbarung hat im entschiedenen Fall nicht genügt.
Die Sozialversicherung: dieselbe Arbeit, drei Wege
Welche Grenze für dich gilt, hängt allein daran, in welcher Rolle du arbeitest.
Weisungsgebunden im fremden Haushalt. Dann ist der Haushalt dein Arbeitgeber, und die Meldung muss vor Arbeitsantritt bei der ÖGK erfolgen. Eine Bagatellgrenze gibt es dabei nicht. Was das für beide Seiten bedeutet, steht im Ratgeber Haushaltshilfe anmelden ab Stunde eins.
Selbstständig ohne Gewerbeschein. Dann bist du Neue Selbstständige oder Neuer Selbstständiger. Die SVS setzt die Versicherungsgrenze für 2026 mit 6.613,20 Euro fest. Zwei Bedingungen dazu, die häufig verrutschen: es geht um die steuerlichen Einkünfte im Kalenderjahr, also um den Gewinn nach Abzug der Ausgaben, nicht um die eingenommene Summe. Und die Grenze wirkt nicht wie ein Freibetrag: wird sie überschritten, besteht die Pflichtversicherung, nicht nur für den übersteigenden Teil.
Die SVS erfährt davon regulär erst über den Einkommensteuerbescheid. Wer weiß, dass es knapp wird, kann eine Überschreitungserklärung abgeben und ist damit sofort versichert, auch wenn die Prognose am Ende falsch war. Wer nichts meldet, zahlt laut SVS zusätzlich einen Beitragszuschlag von 9,3 Prozent der Pensions- und Krankenversicherungsbeiträge. Er entfällt, wenn du die Überschreitung binnen acht Wochen ab Ausstellung des Einkommensteuerbescheids selbst meldest.
Selbstständig mit Gewerbeschein. Dann greift die Versicherungsgrenze nicht, die Pflichtversicherung hängt an der Gewerbeberechtigung selbst. Für kleine Umsätze gibt es eine Ausnahme, die aber beantragt werden muss und an weitere Bedingungen geknüpft ist, siehe Wirtschaftskammer und den Ratgeber Kleinunternehmerregelung.
Der Dienstleistungsscheck ist für genau diesen Bereich gemacht
Für haushaltsnahe Arbeit gibt es einen Weg, der die Frage nach Gewerbe und Selbstständigkeit umgeht: den Dienstleistungsscheck. Er begründet ein befristetes Arbeitsverhältnis mit einer Privatperson, du bist also Dienstnehmerin oder Dienstnehmer. Der Haushalt kauft den Scheck und übergibt ihn, damit sind laut ÖGK alle Abgaben abgegolten.
Die ÖGK nennt als Beispiele für die zulässigen Leistungen: "Reinigungsarbeiten (Wohnung, Eigenheim, Wäsche, Geschirr)", "Beaufsichtigung von Klein- oder Schulkindern", "Einkäufe von Lebensmitteln, Bedarfsgütern des täglichen Lebens, Medikamenten (jedoch nicht deren Verabreichung)" sowie "einfache Gartenarbeiten (zum Beispiel Laub kehren, Rasen mähen)".
Ausgeschlossen sind Tätigkeiten, "die eine (längere) Ausbildung erfordern", die ÖGK nennt dafür die Alten- und Krankenpflege, dazu Mischverwendungen im Haushalt und im Betrieb sowie Dreiecksverhältnisse über einen Verein.
Und hier die ehrliche Einschränkung: das Gesetz spricht von einfachen haushaltstypischen Dienstleistungen, die ÖGK-Aufzählung ist eine Beispielliste. Übersiedlungen, Möbelaufbau, Reparaturen und Tierbetreuung kommen darin nicht vor, und ein Umzug ist auch schwer als haushaltstypische Dienstleistung zu lesen. Wer unsicher ist, ob eine konkrete Arbeit noch darunter fällt, fragt vor dem Einsatz beim DLS-Kompetenzzentrum der ÖGK nach, Telefon 050405 40500. Kauf, Stückelung, Mindeststundensätze und die monatliche Obergrenze je Arbeitsverhältnis stehen im Ratgeber Dienstleistungsscheck 2026.
Ein Sonderfall noch: innerhalb der familiären Beistandspflicht liegt laut ÖGK gar kein Arbeitsverhältnis vor, und bei einem gemeinsamen Haushalt ist der Scheck jedenfalls unzulässig. Für Ehepartner, Eltern, Kinder und Großeltern stellt sich die Frage also anders.
Steuer: die 730 Euro sind eine Freigrenze, kein Freibetrag
Der Wert, der in diesem Zusammenhang am häufigsten falsch zitiert wird, steht in § 41 Abs. 1 Z 1 EStG 1988. Der Paragraf gilt nur, wenn "im Einkommen lohnsteuerpflichtige Einkünfte enthalten" sind, und verlangt dann eine Veranlagung, wenn du "andere Einkünfte bezogen hast, deren Gesamtbetrag 730 Euro übersteigt".
Zwei Bedingungen stecken darin. Erstens: gemeint sind Einkünfte ohne Lohnsteuerabzug, also der selbstständige Zuverdienst. Geld aus dem Dienstleistungsscheck zählt nicht dazu, das sind Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit. Zweitens: der Begriff Veranlagungsfreibetrag, der dazu oft genannt wird, kommt im geltenden § 41 nicht mehr vor. Es ist eine Freigrenze für die Pflichtveranlagung und kein Freibetrag, der vom Einkommen abgezogen würde. Wie sich das mit den Grenzen der Sozialversicherung überschneidet, steht im Ratgeber Geringfügigkeitsgrenze und steuerfrei dazuverdienen.
Wo die Rechtslage nicht eindeutig ist
Drei Punkte lassen sich nicht in eine Regel fassen, und es wäre unredlich, hier eine zu erfinden.
Wie oft ist regelmäßig? Die Gewerbeordnung nennt keine Zahl. Ob aus zwei Einsätzen im Jahr eine Wiederholungsabsicht ablesbar ist, beurteilt die Behörde am Einzelfall. Ab welchem Betrag endet das Körberlgeld? Weder Gewerbeordnung noch Rechtsprechung nennen dafür eine Summe. Der Verwaltungsgerichtshof stellt auf die Vereinbarung ab, nicht auf die Höhe. Was ist noch haushaltstypisch? Die Beispielliste zum Dienstleistungsscheck ist nicht abschließend, die Randfälle entscheidet die ÖGK.
Verbindliche Auskunft gibt es kostenlos: zur Gewerbefrage bei der Bezirkshauptmannschaft oder beim Magistrat und beim Gründerservice der Wirtschaftskammer, zur Versicherung bei SVS oder ÖGK, zur Vertragsform bei der Arbeiterkammer, zur Steuer beim Finanzamt.
Bevor du das erste Mal Geld nimmst
Halte fest, was vereinbart ist, und zwar so, wie es tatsächlich gelebt wird. Frag deine Haushaltsversicherung, ob sie eine bezahlte Tätigkeit überhaupt deckt, das ist von Vertrag zu Vertrag verschieden. Schreib jede Einnahme mit Datum, Auftrag und Betrag mit, damit du am Jahresende weißt, wo du gegenüber der Versicherungsgrenze stehst. Und rechne deinen Preis, bevor du ihn nennst, siehe Ratgeber Stundensatz als Selbstständiger berechnen.
Wer die Bezahlung ganz vermeiden will, findet in Österreich organisierte Formen der Nachbarschaftshilfe, bei denen statt Geld Zeitgutschriften verrechnet werden, etwa beim Verein Zeitpolster. Den rechtlichen Rahmen für freiwilliges Engagement, samt Versicherung und Aufwandsentschädigung, erklärt das Sozialministerium auf Freiwilligenweb. Wo die Grenze zwischen Hilfe und Pfusch am Bau verläuft, hat das österreichische Fachportal Wohnnet aufgearbeitet.
Steht die Rolle einmal fest, ist der Rest Handwerk. Auf Lokali beschreibst du als Privatperson in einem Angebot, welche Arbeiten du übernimmst, in welchem Umkreis und zu welchem Preis; Haushalte aus der Nachbarschaft finden es über die Umkreissuche. Umgekehrt kannst du dir die Angebote und Gesuche in deiner Region ansehen, bevor du selbst etwas einstellst.
Häufige Fragen
Brauche ich für bezahlte Nachbarschaftshilfe ein Gewerbe?
Das hängt an der Art der Tätigkeit, nicht am Betrag. Nach § 1 Abs. 2 GewO 1994 ist eine Tätigkeit gewerbsmäßig, wenn sie selbstständig, regelmäßig und mit Ertragsabsicht betrieben wird. Arbeiten einfachster Art wie Laub zusammenrechen sind ausgenommen. Sobald Fachkenntnis oder Spezialwerkzeug nötig wird, stellt sich die Frage neu, und die Auskunft dazu gibt die Bezirksverwaltungsbehörde.
Ab welchem Betrag ist es keine Gefälligkeit mehr?
Einen Betrag nennt weder die Gewerbeordnung noch die Rechtsprechung. Der Verwaltungsgerichtshof stellt darauf ab, ob die Dienste kurzfristig, freiwillig und unentgeltlich aus einer persönlichen Bindung heraus erbracht werden. Sobald ein Entgelt vereinbart ist, ist das Merkmal der Unentgeltlichkeit weg, unabhängig von der Höhe.
Wie viel darf ich verdienen, bevor die SVS zuständig ist?
Für Neue Selbstständige liegt die Versicherungsgrenze 2026 bei 6.613,20 Euro im Kalenderjahr. Gemeint sind die steuerlichen Einkünfte, also der Gewinn nach Abzug der Ausgaben. Wird die Grenze überschritten, besteht die Pflichtversicherung; wer die Überschreitung nicht binnen acht Wochen ab dem Einkommensteuerbescheid meldet, zahlt zusätzlich 9,3 Prozent Beitragszuschlag.
Kann ich einen Umzug mit dem Dienstleistungsscheck abrechnen?
Die ÖGK führt als Beispiele Reinigungsarbeiten, die Beaufsichtigung von Kindern, Einkäufe und einfache Gartenarbeiten an. Eine Übersiedlung steht nicht darauf, und sie ist auch schwer als haushaltstypische Dienstleistung zu lesen. Die Aufzählung ist allerdings nicht abschließend, deshalb klärt man Randfälle vor dem Einsatz beim DLS-Kompetenzzentrum der ÖGK.
Muss ich das Geld dem Finanzamt melden?
Wenn dein Einkommen lohnsteuerpflichtige Einkünfte enthält, verlangt § 41 Abs. 1 Z 1 EStG eine Veranlagung, sobald andere Einkünfte zusammen 730 Euro übersteigen. Gemeint sind Einkünfte ohne Lohnsteuerabzug; Geld aus dem Dienstleistungsscheck zählt nicht dazu. Ohne lohnsteuerpflichtige Einkünfte gelten eigene Regeln, die Auskunft dazu gibt das Finanzamt.
Was gilt, wenn ich meinen Eltern gegen Bezahlung helfe?
Innerhalb der familiären Beistandspflicht nach dem ABGB liegt laut ÖGK im Zweifel gar kein Arbeitsverhältnis vor, das betrifft Ehe- und eingetragene Partner, Lebensgefährten, Eltern und Kinder sowie Großeltern und Enkel. Bei einem gemeinsamen Haushalt ist eine Entlohnung mit Dienstleistungsscheck jedenfalls unzulässig.
Wenn die Rolle geklärt ist, fehlt nur noch die Sichtbarkeit in der eigenen Umgebung. Auf lokali.at legst du als Privatperson ein Angebot an, in dem Arbeiten, Umkreis und Preis stehen, oder du siehst dir zuerst an, welche Gesuche in deiner Region offen sind.
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