Putzhilfe werden in Österreich: was netto bleibt
Dreihundert Euro fehlen jeden Monat, und Putzen ist das, was du kannst und morgen anfangen könntest. Die erste Frage ist dann fast immer dieselbe: Was bleibt von der Stunde tatsächlich übrig, wenn Sozialversicherung und Steuer weg sind?
Für Österreich ist die Antwort einfacher, als sie klingt. In den beiden kleinen Wegen, Dienstleistungsscheck und geringfügige Anstellung, ist brutto gleich netto, solange du unter zwei Grenzen bleibst, die verschieden funktionieren. Im dritten Weg, dem eigenen Gewerbe, geht dagegen sofort etwas weg, und wie viel, hängt an einer Regelung, die viele übersehen.
Dieser Text steht auf der Seite der Person, die putzt und verdient: drei legale Wege, was jeder davon netto bringt, welcher Gewerbeschein passt und warum die Rechtsform vor allem eine Haftungsfrage ist.

Was von der Stunde netto übrig bleibt
Die kurze Antwort für alle drei Wege, mit Zahlen. Beim Dienstleistungsscheck bekommst du 2026 mindestens 16,76 Euro für die Stunde Reinigung, und davon geht nichts weg: Unter der Grenze fallen weder Dienstnehmerbeiträge zur Sozialversicherung noch Lohnsteuer an. Geringfügig angestellt gilt dasselbe, dort liegt der unterste Satz im Mindestlohntarif für im Haushalt Beschäftigte ab 1. Jänner 2026 bei 12,23 Euro. Mit Gewerbeschein beginnt der Abzug sofort: Vom durchschnittlichen Marktstundensatz von 16,73 Euro gehen 26,83 Prozent an die SVS, und du landest vor Material und Fahrt bei gut zwölf Euro.
Zwei Grenzen entscheiden, und sie funktionieren verschieden. Die 755,01 Euro beim Dienstleistungsscheck gelten je Haushalt: Bei jeder einzelnen Auftraggeberin darf dein monatliches Einkommen diesen Wert nicht übersteigen. Wer für vier Haushalte putzt, hat diese Grenze vier Mal. Zusammengezählt wird dagegen die Geringfügigkeitsgrenze, die für 2026 bei 551,10 Euro liegt und erstmals nicht erhöht wurde. Sie gilt über alle Beschäftigungen hinweg, und wer sie in Summe übersteigt, wird kranken- und pensionsversicherungspflichtig. Beim Dienstleistungsscheck gehen dann 14,70 Prozent Dienstnehmeranteil ab.
Ein Vorbehalt zur Steuer, der in den meisten Texten fehlt: Sozialversicherungsfrei heißt nicht automatisch steuerfrei. Ohne Einkommensteuer bleibt der Zuverdienst, solange dein gesamtes Jahreseinkommen unter 13.539 Euro bleibt, denn erst darüber beginnt 2026 die erste Tarifstufe. Wer daneben eine Pension oder eine Anstellung hat, zählt alles zusammen und kann über eine Pflichtveranlagung sehr wohl steuerpflichtig werden. Welche Kombinationen steuerfrei bleiben, steht unter steuerfrei dazuverdienen.
Warum 16,76 Euro und 12,23 Euro nicht vergleichbar sind
In den 16,76 Euro beim Dienstleistungsscheck stecken bereits 9,60 Prozent Urlaubsabgeltung und 25 Prozent Sonderzahlungen. Für die Reinigung nach einem Professionisten-Einsatz, also nach den Handwerkern, sind es 22,43 Euro.
Der Stundenlohn im Mindestlohntarif enthält beides nicht. Dort kommen laut Verordnung eine Weihnachtsremuneration in der Höhe eines Monatsbezuges und ein Urlaubszuschuss obendrauf, dazu 50 Prozent Überstundenzuschlag an Werktagen und 100 Prozent an Sonn- und Feiertagen.
Die dritte Zahl, mit der sich vergleichen lässt, musst du selbst rechnen, in der Verordnung steht sie nicht: Zwei zusätzliche Bezüge sind 14 Bezüge auf 12 gearbeitete Monate, und damit werden aus 12,23 Euro rund vierzehn Euro je Stunde. Erst die gehört neben die 16,76 Euro gelegt. Der Abstand ist dann deutlich kleiner, als die nackten Zahlen aussehen, und in die andere Richtung gilt dasselbe: Wer die Sonderzahlungen unterschlägt, macht die Anstellung ärmer, als sie ist.
Weg 1: der Dienstleistungsscheck
Der Scheck gilt nur für Arbeit direkt im Privathaushalt, nicht für Arbeit über eine Reinigungsfirma oder einen Vermittler. Das Arbeitsverhältnis ist auf höchstens einen Monat befristet und beliebig oft wiederholbar, ohne dass daraus ein unbefristetes wird. Dein Teil daran ist das Einlösen, und zwar bis zum Ende des Folgemonats. Voraussetzung auf deiner Seite ist unbeschränkter Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt. Wie der Haushalt die Schecks kauft und abrechnet, steht unter Dienstleistungsscheck für Auftraggeber.
Den Zuschlag von 2 Prozent für Unfallversicherung und Verwaltung zahlt der Haushalt, er geht nicht von deinem Betrag ab.
Was fehlt, zählt die Arbeiterkammer Oberösterreich auf: kein Urlaubsanspruch in Tagen, keine Entgeltfortzahlung im Krankenstand, keine Kündigungsfrist, keine Arbeitslosenversicherung. Unfallversichert bist du ab dem ersten Tag, Kranken- und Pensionsversicherung gibt es nur über die freiwillige Selbstversicherung nach Paragraf 19a ASVG, 2026 um 83,49 Euro im Monat. Der Antrag geht an die ÖGK jenes Bundeslandes, in dem du arbeitest, und wirkt bei rechtzeitigem Erstantrag bis zum Beschäftigungsbeginn zurück.
Weg 2: geringfügige Anstellung im Haushalt
Hier meldet dich der Haushalt an, und für dich gilt der Mindestlohntarif. Er ist eine österreichische Besonderheit: Der Lohn steht nicht in einem ausverhandelten Kollektivvertrag, sondern in einer Verordnung des Bundeseinigungsamtes beim Sozialministerium, kundgemacht im Bundesgesetzblatt. Die Stundenlöhne ohne Verpflegung für Hausgehilfinnen ohne Kochen reichen 2026 je nach Dienstjahren von 12,23 bis 18,41 Euro.
Rechne nach, wie viel Arbeit in die Grenze passt: 551,10 Euro geteilt durch 12,23 Euro sind rund 45 Stunden im Monat. Mehr ist zum untersten Satz geringfügig nicht drin, ohne vollversicherungspflichtig zu werden.
Eine Änderung von 2026 trifft genau diese Gruppe: Neben Arbeitslosengeld und Notstandshilfe darf grundsätzlich keine geringfügige Beschäftigung mehr ausgeübt werden, bestehende Kombinationen mussten bis 31. Jänner 2026 enden. Ausgenommen bleiben vier Gruppen, darunter Langzeitarbeitslose ab 50 und Teilnehmende an längeren AMS-Schulungen. Wer direkt davor 365 Tage oder länger Geld vom AMS bezogen hat, darf eine geringfügige Beschäftigung einmalig für 182 Tage antreten, gerechnet ab dem ersten Tag. Am 183. Tag endet der Leistungsanspruch.
Weg 3: das freie Gewerbe Hausbetreuung
Das passende freie Gewerbe heißt Hausbetreuung, im Wortlaut „Durchführung einfacher Reinigungstätigkeiten einschließlich objektbezogener einfacher Wartungstätigkeiten“. Einen Befähigungsnachweis braucht es dafür nicht. Gedeckt sind Wohnungsreinigung nach Haushaltsstandard, Stiegenhäuser, Keller und Waschküchen, Fensterputzen vom Boden aus ohne Höhensicherung, dazu Rasenmähen, Laubrechen, Gehsteigreinigung und Schneeräumen.
Nicht gedeckt sind Büro-, Bau-, Krankenhaus-, Fassaden- und Industriereinigung. Das ist das reglementierte Handwerk Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereinigung, und dafür brauchst du den Befähigungsnachweis. Praktisch heißt das: die Wohnung einer Kundin ja, ihre Ordination nein. Den Ablauf der Anmeldung selbst beschreibt Gewerbe anmelden, sie ist samt GISA-Auszug gebührenfrei.
Mit der Anmeldung entsteht automatisch die Pflichtversicherung bei der SVS, und hier trennen sich zwei Fälle. Im Regelfall zahlst du 2026 rund 26,83 Prozent vom Gewinn, mindestens aber 160,81 Euro im Monat, weil die Mindestbeitragsgrundlage bei 551,10 Euro liegt und der Mindestbeitrag auch bei kleinerem Gewinn vorgeschrieben wird. Die Beiträge werden vorläufig vorgeschrieben und erst nach dem Einkommensteuerbescheid nachbemessen, die Nachzahlung kommt also Jahre später.
Der zweite Fall ist der für Kleinstverdienst, und er ändert die Rechnung völlig: Über die Kleinunternehmerregelung lässt du dich von der Kranken- und Pensionsversicherung ausnehmen, wenn deine Einkünfte unter 6.613,20 Euro und dein Umsatz unter 55.000 Euro im Jahr bleiben, unter 57 Jahren zusätzlich höchstens 12 Monate Pflichtversicherung in den letzten 60 Kalendermonaten. Dann bleibt nur die gesetzliche Unfallversicherung, 2026 sind das 12,95 Euro im Monat. Die 26,83 Prozent gelten also für den Regelfall, nicht für den, der ein paar Wohnungen pro Woche putzt. Dazu kommt das Neugründungs-Förderungsgesetz, das dich mit dem Formular NeuFö2 von Stempelgebühren und Bundesverwaltungsabgaben befreit.
Der durchschnittliche Marktstundensatz einer Reinigungskraft lag 2026 laut einer Auswertung von 300 Profilen bei 16,73 Euro, mit einer Spanne von 14,90 bis 19,90 Euro je nach Bundesland. Ein Stundensatz auf Höhe des Dienstleistungsscheck-Mindestsatzes trägt sich selbstständig nicht, sobald Material, Fahrt und unbezahlte Anfahrtszeit dazukommen.
Die Rechtsform entscheidet über deine Haftung
Der wichtigste Unterschied zwischen Anstellung und Gewerbeschein ist nicht die Steuer, sondern das Risiko, wenn in einer fremden Wohnung etwas zu Bruch geht. Für Dienstnehmerinnen gilt das Dienstnehmerhaftpflichtgesetz: Bei entschuldbarer Fehlleistung haftest du gar nicht, bei einem Versehen kann das Gericht den Ersatz aus Billigkeitsgründen mäßigen und bei einem minderen Grad des Versehens auch ganz erlassen. Das Gericht sieht sich dabei unter anderem den Grad der Verantwortung an, die Ausbildung, die Arbeitsbedingungen und die Frage, ob der Schaden bei dieser Tätigkeit typischerweise schwer vermeidbar ist.
Dieses Mäßigungsrecht gilt nur für Dienstnehmer. Wer selbstständig putzt, haftet als Unternehmerin nach den allgemeinen Regeln voll, und dafür gibt es die Betriebshaftpflichtversicherung. Was sie deckt und was sie ausnimmt, steht in jedem Vertrag anders, und ob deine private Haushaltsversicherung bei bezahlter Arbeit in fremden Wohnungen überhaupt greift, hängt ebenfalls vom Vertrag ab. Frag beides vor dem ersten bezahlten Auftrag bei deinem Versicherer nach, nicht danach.
Wo du Haushalte findest
Die ersten verlässlichen Kundinnen zu finden ist meist schwerer als die Arbeit selbst. Auf Lokali gibst du als Privatperson ein Angebot auf, in dem Umkreis, Stundensatz und Verfügbarkeit stehen, und Haushalte aus deiner Nachbarschaft finden dich über die Umkreissuche unter Dienste. Umgekehrt schreiben Haushalte selbst Gesuche aus, auf die du dich melden kannst, statt zu warten. Wer das Gewerbe angemeldet hat, kann sich zusätzlich unter Firmen als Betrieb eintragen. Feste Anstellungen in der Reinigung laufen über Jobs, und was ein Monatslohn am Ende netto ergibt, rechnet der Gehaltsrechner durch.
Drei Fragen gehören bewusst nicht hierher, weil sie die andere Seite betreffen. Ab wann ein Haushalt eine Hilfe anmelden muss und wie das geht, steht unter Haushaltshilfe anmelden. Die Kostenseite aus Sicht des Haushalts behandelt der Kostenratgeber. Und wie ein Haushalt jemanden sucht und auswählt, steht unter Reinigungskraft finden.
Häufige Fragen
Ich putze für mehrere Haushalte. Welche Grenze gilt dann?
Die 755,01 Euro beim Dienstleistungsscheck gelten je Haushalt und nicht in Summe: Bei jeder einzelnen Auftraggeberin darf dein monatliches Einkommen diesen Wert nicht übersteigen. Zusammengezählt wird die Geringfügigkeitsgrenze von 551,10 Euro über alle Beschäftigungen hinweg. Übersteigst du sie in Summe, wirst du vollversicherungspflichtig, und beim Scheck gehen dann 14,70 Prozent ab. Weil nur du alle deine Auftraggeber kennst, schreib die Summe selbst mit und frag im Zweifel bei der ÖGK nach.
Muss ich als Putzhilfe eine Steuererklärung abgeben?
Solange dein gesamtes Jahreseinkommen unter 13.539 Euro bleibt, fällt 2026 keine Einkommensteuer an. Wer daneben eine Pension oder eine Anstellung hat, zählt alles zusammen, und dann kann eine Pflichtveranlagung fällig werden. Dass unter den Grenzen keine Sozialversicherungsbeiträge anfallen, sagt über die Steuer nichts aus, das sind zwei getrennte Fragen. Kläre deinen Fall mit dem Finanzamt oder einer Steuerberatung.
Was kostet mich der Gewerbeschein, wenn ich kaum verdiene?
Die Anmeldung selbst ist samt GISA-Auszug gebührenfrei. Teuer ist die SVS: 26,83 Prozent vom Gewinn, mindestens 160,81 Euro im Monat, weil der Mindestbeitrag auch bei kleinerem Gewinn vorgeschrieben wird. Wer unter 6.613,20 Euro Einkünften und 55.000 Euro Umsatz im Jahr bleibt, kann sich über die Kleinunternehmerregelung von Kranken- und Pensionsversicherung ausnehmen lassen und zahlt dann nur die Unfallversicherung, 2026 sind das 12,95 Euro im Monat.
Wer stellt die Putzmittel, und wird die Anfahrt bezahlt?
Beides ist Vereinbarungssache und gehört vor den ersten Termin geklärt, nicht danach. Angestellt oder mit Scheck rechnest du die gearbeitete Stunde ab, Mittel und Geräte stehen üblicherweise im Haushalt. Selbstständig trägst du Material, Fahrt und Anfahrtszeit selbst, und beides muss in deinem Stundensatz stecken. Genau deshalb reicht dir selbstständig ein Satz auf Höhe des Dienstleistungsscheck-Mindestsatzes nicht.
Darf ich neben dem Arbeitslosengeld geringfügig putzen?
Arbeiten darfst du, Geld vom AMS bekommst du in dieser Zeit aber nicht. Seit 1.1.2026 ruht die Auszahlung während einer geringfügigen Beschäftigung, solange du unter keine der fünf gesetzlichen Ausnahmen fällst. Ein Verbot ist es nicht, du musst Anfang und Ende aber melden. Arbeitest du nur tageweise, ruht die Leistung auch nur an diesen Tagen. Welche Ausnahmen es gibt und welche Fristen für bestehende Beschäftigungen galten, steht im Ratgeber zu Nebenjob und Arbeitslosengeld. Kläre deinen Fall vor dem ersten Auftrag mit dem AMS.
Ein Angebot auf Lokali beschreibt Umkreis, Stundensatz und Verfügbarkeit, und Haushalte aus der Nachbarschaft finden es über die Umkreissuche. Wer lieber selbst zuerst anfragt, geht die offenen Gesuche in der Region durch und meldet sich dort direkt.
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